Nachwuchs

Die Nachwuchsförderung im Theater der Dinge liegt uns besonders am Herzen. Deshalb engagieren wir uns dafür, dass auch neues Blut in die Adern unseres Theaters fliesst. Wir vergeben Residenzen zur Erforschung der Dinge, zeigen Arbeiten junger Künstler*innen und unterstützen und begleiten Gruppen auf dem Weg zur Koproduktion. 


Residenz der Dinge 20/21

Forschen an und mit den Dingen

Diese Saison residieren im Theater Stadelhofen, das Kollektiv «Kaschmigloffs Masse», Cornelia Zierhofer & Delia Keller, Annina Mosimann, Luzius Engel & Emily Magorrian. 

Ausgangspunkt einer Residenz ist ein tiefes Interesse für bühnenästhetische Vorgänge mit Dingen oder Material, sowie das Vorhaben ihnen Lebendigkeit abzuringen. Und auch über diese Begrifflichkeit darf gestritten werden!

Über die Residenz hinweg entwickeln die Forschenden ein Konzept oder Dossier, auf dessen Basis sie eine Produktion verwirklichen wollen. Diese Arbeit unterstützen wir individuell. 

Die Forschungsarbeit ist im Rahmen von ein bis zwei Sharings/Showings für ein öffentliches Publikum und eines Experimentier-Wochenendes für andere Künstler*innen erlebbar und ermöglicht so den Austausch und die Weiterentwicklung der persönlichen Ideen.

Ausschreibung

Projektleitung: Françoise Blancpain, Eveline Eberhard, Markus Gerber


Kaschmigloffs Masse

Kaschmigloffs Masse trifft aufs Absperrband. Schaut es an, nimmt es auseinander, lässt sich bewegen, fügt es zusammen, wühlt sich hinein, verbindet sich, verschmilzt, zerfetzt, beatmet, steht still.

Kaschmigloffs Masse untersucht in der Residenz der Dinge das Material Absperrband: Sie machen Materialexperimente, erfinden Spiele mit dem Absperrband und untersuchen seinen Auftritt im öffentlichen Raum, der durch die aktuelle Corona-Situation omnipräsent wurde. Getrieben vom Interesse, wie sich das Absperrband davon loslösen kann.

Kaschmigloffs Masse ist ein Kollektiv, welches sich der Erforschung und Zusammenarbeit mit verschiedenen Materialien widmet. Das Kollektiv besteht aus Milena Kaute, Noemi Egloff, Fiona Schmid und aktuell dem Absperrband. Die Experimente und Forschungen der Residenz könnt ihr auf Instagram unter @kaschmigloffs_masse verfolgen. 

Cornelia Zierhofer & Delia C. Keller

Er lässt sich nicht ausschalten, er ist stets stimuliert und sendet immerzu Informationen an unser Hirn - von vor der Geburt bis zum Tod. Was ihm vorgesetzt wird, bildet mit unser Körpergefühl: Der Tastsinn.

Zu einer Zeit, in der Kommunikation vermehrt kontaktlos stattfindet - sei dies durch den digitalen Wandel der letzten Jahrzehnte oder der gesundheitspolitischen Situation mit COVID-19 - setzen sich die Szenografin Cornelia Zierhofer und die Theaterpädagogin Delia C. Keller mit dem wichtigsten Sinn des Menschen auseinander: Was lösen sie aus, die Materialien und Oberflächen, die uns umgeben? Was fühlen und was denken wir beim Tasten? Können Oberflächen als Hauptakteur eine Theaterproduktion tragen? 

Cornelia Zierhofer arbeitet als Bühnen- und Kostümbildner für Theater und Film und als freie Künstlerin. Schwerpunkt ihrer Untersuchungen sind Konsistenz und Haptik von Materialien und der Grenzgang zwischen Faszination und Ablehnung.

Delia C. Keller ist freischaffende Theater- und Kunstpädagogin und Projektleiterin im Bereich bildende und darstellenden Kunst und deren Schnittstellen. Sie arbeitet in Zürich und Kopenhagen.


Annina Mosimann

In ihrer Arbeit Masa Mater beschäftigt sich Annina Mosimann mit dem mütterlichen Körper als Ausgangspunkt unserer Existenz. Alles was wir kennen, beginnt mit diesem Körper, beginnt aus diesem Körper. Ein hart umkämpfter, sich ständig wandelnder und existenzieller Körper, aus dessen Nähten und Öffnungen ununterbrochen zahllose Geschichten drängen. Doch wer ist diese Mutter überhaupt? Und welche Mütter und Mutterschaften finden wir, wenn wir uns ausserhalb der Spezies Mensch bewegen? 

Annina Mosimann beschäftigt sich während der Residenz mit Sauerteig und ungeschlechtlicher Fortpflanzung von Hefezellen, sowie mit Haaren und dem eigenen Körper als Material.

Emily Magorrian & Luzius Engel 

Auf dem Weg zu einem Stück für die Allerkleinsten forschen Emily Magorrian und Luzius Engel in der Residenz der Dinge am Wetter. Nebst einer Recherche zu Darstellungsmöglichkeiten der verschiedenen Wetterelemente, experimentieren sie mit Objekten und Materialien, verschiedenen Techniken und Phänomenen. Wie können Sonne, Wind und Regen zum Leben erweckt werden?

Emily Magorrian und Luzius Engel, arbeiten beide als Theaterschaffende in verschiedenen Konstellationen und interessieren sie sich beide für Projekte mit und für ein junges Publikum.





Residenz der Dinge 19/20

Wie kommt das Leben in die Dinge? Und was tut die Nebelmaschine, wenn sie nicht mehr gebraucht wird?


Vergangene Saison hat Matthias Nüesch sich mit der Frage beschäftigt unter welchen Umständen Objekte, die von ihrer ursprünglichen Funktion befreit auf der Bühne agieren vom Publikum als lebendig wahrgenommen werden. 

Matthias Nüesch wurde am 6. April 1986 in Zürich-Leimbach geboren. Er ist gelernter Polygraf und diplomierter Typografischer Gestalter. 2019 schloss er sein Bachelor-Studium in Theaterpädagogik an der Zürcher Hochschule der Künste ab. Vor und neben dem Studium war er als UX-Designer und Grafiker tätig. 
In seinem Abschlussprojekt «Does it feel like something to be an Octopus» setzte er sich zusammen mit einem künstlerischen Team und Laiendarsteller*innen intensiv mit dem Oktopus auseinander. Er versucht in seiner Arbeit seine grafischen Erfahrungen mit den darstellenden Künsten zu verbinden. Vor seinem Studium leistet er 8 Monate Zivildienst im Theaterzentrum Nigazh in Madurai, Indien, in welchem er Theaterworkshops mit Aktivist*innen der sozialen und gewaltfreien Bewegung Ekta Parishad durchführte.

(Bilder: Joel Schoch)